Avodah Zarah 20

Kapitel 20

א ולימא ליה מימר [בהדיא] אמר שמעי (בי) חשובי רומי ומצערו ליה ולימא ליה בלחש משום דכתיב (קהלת י, כ) כי עוף השמים יוליך את הקול
1 Sollte er es ihm doch offen gesagt haben!? — Er dachte, wenn die Patrizier Roms es hören, bereiten sie mir Unannehmlichkeiten. — Sollte er es ihm leise gesagt haben!? — Es heißt: <i>die Vögel unter dem Himmel entführen den Laut</i>.
ב הוה ליה ההוא ברתא דשמה גירא קעבדה איסורא שדר ליה גרגירא שדר ליה כוסברתא שדר ליה כרתי שלח ליה חסא
2 Er hatte eine Tochter namens Gira, die einst etwas Sündhaftes beging, und er sandte ihm Rauke; hierauf sandte ihm jener Koriander. Alsdann sandte ihm dieser Lauch; hierauf sandte ihm jener Lattich.
ג כל יומא הוה שדר ליה דהבא פריכא במטראתא וחיטי אפומייהו אמר להו אמטיו חיטי לרבי אמר [ליה רבי] לא צריכנא אית לי טובא אמר ליהוו למאן דבתרך דיהבי לבתראי דאתו בתרך ודאתי מינייהו ניפוק עלייהו
3 Jeden Tag übersandte er ihm zerriebenes Gold in Säcken, die mit Weizen überschichtet waren, und sprach zu [den Boten:] Bringt den Weizen zu Rabbi. Als er aber sagte, er brauche es nicht, er habe selber genug, erwiderte dieser: Mag es für deine Nachkommen bleiben, die es meinen Nachkommen geben werden; die Nachkommen der einen werden es für die Nachkommen der anderen ausgeben.
ד ה"ל ההיא נקרתא דהוה עיילא מביתיה לבית רבי כל יומא הוה מייתי תרי עבדי חד קטליה אבבא דבי רבי וחד קטליה אבבא דביתיה א"ל בעידנא דאתינא לא נשכח גבר קמך
4 Er hatte einen unterirdischen Gang errichtet, der von seiner Wohnung nach der Wohnung Rabbis führte, und jeden Tag nahm er zwei Diener mit, von denen er einen an der Tür Rabbis und den anderen an der Tür seines eigenen Hauses tötete; auch verabredete er mit ihm, daß, wenn er zu ihm komme, kein Mensch bei ihm anwesend sein dürfe.
ה יומא חד אשכחיה לר' חנינא בר חמא דהוה יתיב אמר לא אמינא לך בעידנא דאתינא לא נשכח גבר קמך א"ל לית דין בר איניש א"ל אימא ליה לההוא עבדא דגני אבבא דקאים וליתי
5 Eines Tages traf er bei ihm R. Ḥanina b. Ḥama. Da sprach er: Habe ich dir etwa nicht gesagt, daß, wenn ich zu dir komme, kein Mensch bei dir anwesend sein dürfe!? Dieser erwiderte: Dieser ist kein Menschensohn. Da sprach er zu ihm: Geh, sage dem Diener, der an der Tür schläft, daß er aufstehe und hereinkomme.
ו אזל ר' חנינא בר חמא אשכחיה דהוה קטיל אמר היכי אעביד אי איזיל ואימא ליה דקטיל אין משיבין על הקלקלה אשבקיה ואיזיל קא מזלזלינן במלכותא בעא רחמי עליה ואחייה ושדריה אמר ידענא זוטי דאית בכו מחיה מתים מיהו בעידנא דאתינא לא נשכח איניש קמך
6 Als R. Ḥanina b. Ḥama hinausging, und ihn tot fand, sprach er: Was mache ich nun: etwa umkehren und berichten, daß er tot sei, so darf man ja keine schlechte Botschaft bringen; lasse ich ihn und gehe fort, so wäre dies ja eine Geringschätzung des Königs. Da flehte er um Erbarmen, ließ ihn lebendig werden und schickte ihn hinein. Hierauf sprach er: Ich weiß wohl, daß der geringste unter euch Tote beleben kann, dennoch soll niemand bei dir sein, wenn ich zu dir komme.
ז כל יומא הוה משמש לרבי מאכיל ליה משקי ליה כי הוה בעי רבי למיסק לפוריא הוה גחין קמי פוריא א"ל סק עילואי לפורייך אמר לאו אורח ארעא לזלזולי במלכותא כולי האי אמר מי ישימני מצע תחתיך לעולם הבא
7 Jeden Tag pflegte er ihn zu bedienen; er reichte ihm Speise und Trank; wenn Rabbi sich zu Bett legen wollte, legte er sich vor das Bett hin und sprach zu ihm: Steige auf mich und lege dich ins Bett. Jener erwiderte: Es ist nicht schicklich, einen König so weit zu geringschätzen. Dieser entgegnete: Daß ich doch in der zukünftigen Welt dir als Unterlage dienen könnte!
ח א"ל אתינא לעלמא דאתי א"ל אין א"ל והכתיב (עובדיה א, יח) לא יהיה שריד לבית עשו בעושה מעשה עשו
8 Hierauf fragte er ihn: Komme ich in die zukünftige Welt? Jener erwiderte: Jawohl. Dieser entgegnete: Es heißt ja aber: <i>vom Hause E͑savs wird nichts übrig bleiben</i>!? — Nur diejenigen, die nach den Taten E͑savs handeln.
ט תניא נמי הכי לא יהיה שריד לבית עשו יכול לכל ת"ל לבית עשו בעושה מעשה עשו
9 Ebenso wird auch gelehrt: <i>Vom Hause E͑savs wird nichts übrig bleiben</i>; man könnte glauben, überhaupt nichts, so heißt es: vom Hause E͑savs, nur diejenigen, die nach den Taten E͑savs handeln.
י א"ל והכתיב (יחזקאל לב, כט) שמה אדום מלכיה וכל נשיאיה א"ל מלכיה ולא כל מלכיה כל נשיאיה ולא כל שריה
10 Dieser entgegnete: Es heißt ja aber: <i>da ist Edom, seine Könige und all seine Fürsten</i>!? Jener erwiderte: Seine Könige, nicht aber all seine Könige, all seine Fürsten, nicht aber all seine Herrscher.
יא תניא נמי הכי מלכיה ולא כל מלכיה כל נשיאיה ולא כל שריה מלכיה ולא כל מלכיה פרט לאנטונינוס בן אסוירוס כל נשיאיה ולא כל שריה פרט לקטיעה בר שלום
11 Ebenso wird auch gelehrt: Seine Könige, nicht aber all seine Könige, all seine Fürsten, nicht aber all seine Herrscher. Seine Könige, nicht aber all seine Könige, ausgenommen Antoninus, Sohn des Severus; all seine Fürsten, nicht aber all seine Herrscher, ausgenommen Qeṭia͑, der Sohn Šaloms.
יב קטיעה בר שלום מאי הוי דההוא קיסרא דהוה סני ליהודאי אמר להו לחשיבי דמלכותא מי שעלה לו נימא ברגלו יקטענה ויחיה או יניחנה ויצטער אמרו לו יקטענה ויחיה
12 Welches Bewenden hat es mit Qeṭia͑, dem Sohne Šaloms? — Einst sprach ein Kaiser, der die Juden sehr haßte, zu den Hochgestellten des Reiches: Soll derjenige, der ein Geschwür am Fuße hat, es ausschneiden und leben bleiben, oder es stehen lassen und Schmerzen haben? Diese erwiderten ihm: Er soll es ausschneiden und leben bleiben.
יג אמר להו קטיעה בר שלום חדא דלא יכלת להו לכולהו דכתיב (זכריה ב, י) כי כארבע רוחות השמים פרשתי אתכם מאי קאמר אלימא דבדרתהון בד' רוחות האי כארבע רוחות לארבע רוחות מבעי ליה אלא כשם שא"א לעולם בלא רוחות כך א"א לעולם בלא ישראל ועוד קרו לך מלכותא קטיעה
13 Da erwiderte Qeṭia͑, der Sohn Šaloms: Erstens wirst du allen nicht beikommen. Es heißt nämlich: <i>ich habe euch in</i> <i>die vier Windrichtungen des Himmels zerstreut</i>. Was meint er damit, wollte man sagen, ich habe euch nach den vier Windrichtungen zerstreut, wieso heißt es demnach in, es sollte ja heißen: nach den vier Windrichtungen!? Vielmehr meint er es wie folgt: wie die Welt ohne Winde nicht bestehen kann, so kann sie auch ohne Jisraél nicht bestehen. Außerdem wird man [dein Reich] ein verstümmeltes Reich nennen.
יד א"ל מימר שפיר קאמרת מיהו כל דזכי (מלכא) שדו ליה לקמוניא חלילא כד הוה נקטין ליה ואזלין אמרה ליה ההיא מטרוניתא ווי ליה לאילפא דאזלא בלא מכסא נפל על רישא דעורלתיה קטעה אמר יהבית מכסי חלפית ועברית כי קא שדו ליה אמר כל נכסאי לר"ע וחביריו יצא ר"ע ודרש (שמות כט, כח) והיה לאהרן ולבניו מחצה לאהרן ומחצה לבניו
14 Dieser erwiderte: Recht hast du zwar, wer aber den König besiegt, den werfe man in die Gemoniaescalae. Als man ihn abführte, sprach eine Matrone: Wehe dem Schiffe, das ohne Tributschein geht. Da bückte er sich über die Spitze seiner Vorhaut und schnitt sie ab. Hierauf sprach er: Ich habe nun den Tribut entrichtet, jetzt kann ich hinüber. Als man ihn hinabstieß, sprach er: Mein ganzes Vermögen soll R. A͑qiba und seinen Genossen gehören. Da ging R. A͑qiba hinaus und trug vor: <i>Es soll Ahron und seinen Söhnen gehören</i>, die Hälfte Ahron und die Hälfte seinen Söhnen.
טו יצתה בת קול ואמרה קטיעה בר שלום מזומן לחיי העוה"ב בכה רבי ואמר יש קונה עולמו בשעה אחת ויש קונה עולמו בכמה שנים
15 Hierauf ertönte eine Hallstimme und sprach: Qeṭia͑, der Sohn Šaloms, ist für das Lehen der zukünftigen Welt vorgesehen. Darüber weinte Rabbi und sprach: Mancher erwirbt seine Welt in einer Stunde, mancher aber erwirbt sie erst in vielen Jahren.
טז אנטונינוס שמשיה לרבי אדרכן שמשיה לרב כי שכיב אנטונינוס א"ר נתפרדה חבילה כי שכיב אדרכן אמר רב
16 Antoninus bediente Rabbi; Adarkhan bediente Rabh. Als Antoninus starb, sprach Rabbi: Der Bund ist aufgelöst! Als Adarkhan starb, sprach Rabh: